Und an ihr maß sich meine Stille, meine Reglosigkeit, mein Schweigen, an ihr maß sich, wenn sie spielte, die Welt. Ich sage dies nicht einen Moment unter dem Eindruck von Hingezogenheit, nein, ich will sie nicht näher kennenlernen, nicht besser, nicht anders sehen, als in diesem kargen Übungsraum mit ihrem Cello, diesen fliegenden Augen.
Sonntag, 4. Dezember 2011
BWV 1007–1012
Donnerstag, 1. Dezember 2011
Robin Hack
Spannende Sache:
Die Hackerkonglomerate Anonymous und TeaMpOison vereinigen sich für eine geplante Aktion im Sinne der Occupy-Bewegung zu pOisAnon. Operatives Ziel, so angekündigt, die Umverteilung des Reichtums auf elektronischem Wege. Nach eigenen Angaben hat pOisAnon mittlerweile durch "Einbrüche" bei drei (oder vier) Großbanken mehr als eine halbe Million Kreditkartendaten beschafft, die "Umüberweisung" steht offensichtlich kurz bevor:
Die Hackerkonglomerate Anonymous und TeaMpOison vereinigen sich für eine geplante Aktion im Sinne der Occupy-Bewegung zu pOisAnon. Operatives Ziel, so angekündigt, die Umverteilung des Reichtums auf elektronischem Wege. Nach eigenen Angaben hat pOisAnon mittlerweile durch "Einbrüche" bei drei (oder vier) Großbanken mehr als eine halbe Million Kreditkartendaten beschafft, die "Umüberweisung" steht offensichtlich kurz bevor:
"Operation Robin Hood will take credit cards and donate to the 99% as well as various charities around the globe. The banks will be forced to reimburse the people their money back. - We are going to take what belongs to us. The Banks have thrown people out on the streets with corrupted actions. When the poor steals, it’s considered violence, but when the banks steal from us, it’s called business."
Doch die Kritik von pOisAnon geht viel weiter als diese einzelne Aktion: es ist vom Einfluss der Bankenkartelle auf Staat und Politik die Rede, und damit vom Schwinden demokratischer Strukturen. - Ob dies insgesamt eine sinnvolle Aktion im Kampf gegen die "pigs" (so pOisAnon in beinahe schon klassischer Rhetorik) ist, sei dahingestellt.
Wie wär's zum Beispiel mit einem größeren Projekt: Schuldenerlass für die sogenannte Dritte Welt: D-E-L-E-T-E!
Wie wär's zum Beispiel mit einem größeren Projekt: Schuldenerlass für die sogenannte Dritte Welt: D-E-L-E-T-E!
Mittwoch, 30. November 2011
Die entschlossene Kommunardin
Ich kannte mal ein Mädchen
Mit langem dunklem Haar
Fest unterm Arm drei Bücher
Und Augen aus Gefahr
Ein Engel war sie selten
Ihr Reden war oft kalt
Sie konnte sich nicht bremsen
Vor düsterer Gewalt
Das Eigentumsverhältnis
Bracht‘ sie in wilde Wut
Mehrwert der zirkulierte
Wird Zeit, dass man was tut
Sie sprach mir von der Herrschaft
Im Dienst des Kapitals
Erträumte stilles Plündern
Des Waffenarsenals
Ich küsste sie ganz zärtlich
Doch sie blieb völlig stur
Zu ändern ist, so sagt sie,
Die ökonomische Struktur
Dienstag, 29. November 2011
Celebrity Deathmatch: Jesus vs. Das Kapital
"Da flocht Jesus sich eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle samt ihren Schafen und Rindern aus dem Tempel hinaus, verschüttete den Wechslern das Geld und stieß ihre Tische um und rief den Taubenhändlern zu: ‚Schafft das weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!‘" (Johannes 2, 13f)
Was nur, frage ich mich, können wir von Jesus lernen?
Ernst Bloch nennt Jesus immerhin "das Zeichen, das der Herrenmacht widerspricht [...]. Dabei hatte Jesus eine Revolution der ganzen Welt im Auge [...]. Es geht um den Zusammenbruch der Welt insgesamt, um die Zerstörung der bestehenden Herrenmacht."
...und so eine Geißel ist schnell gebastelt, Herr Ackermann...
Ernst Bloch nennt Jesus immerhin "das Zeichen, das der Herrenmacht widerspricht [...]. Dabei hatte Jesus eine Revolution der ganzen Welt im Auge [...]. Es geht um den Zusammenbruch der Welt insgesamt, um die Zerstörung der bestehenden Herrenmacht."
...und so eine Geißel ist schnell gebastelt, Herr Ackermann...
Sonntag, 27. November 2011
Gegeneinander
Jeden Morgen erwache ich, erzählt sie, und mir gegenüber sitzt eine Fremde, die ich nicht lieben kann. Ihre Augen sind die meinen, ihre Hände greifen gleichzeitig mit mir nach Tasse und Messer, unsere Bewegungen sind Schatten der anderen. Und doch lacht manchmal die eine während die andere schweigt, und doch weint die eine und die andere liest ein Buch. Wenn sie einander begegnen schweigen sie sich an, versuchen voreinander davonzulaufen, ohne dem Spiegel entkommen zu können.
Zusammen drehen wir den Schlüssel im Schloss, fahren mit der U-Bahn zum Stadtrand und starren auf die Hochhäuser. Die eine betrinkt sich, die andere bleibt nüchtern, um sie an Worte zu erinnern, die nicht aufgeschrieben wurden. Ich hasse sie.
Samstag, 26. November 2011
Crazy Clown Time
Zeit für einen letzten Spaziergang, es scheint allerdings kalt zu sein, mondlose Nacht. Die Häuser tun die Augen auf, der Wald steht schwarz und abgedrängt und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.
Im Park steht ganz zentral ein gigantischer stählerner Müllcontainer, den ich umstreife wie ein Pilger die Kaba, die Hündin hält Abstand und das Ding für verdächtig. - Das ist vielleicht genau die richtige Situation, um in das neue David Lynch-Album "Crazy Clown Time" mal reinzuhören. Und wirklich: es wird unwirklich.
Plötzlich steht in roter Schrift "Dutschke" auf dem Container und er sieht irgendwie auch ein wenig rebellisch aus. Ich flüstere "Ey, Rudi, altes Haus, biste da drin?", doch niemand antwortet. Vorsichtig klopfe ich an die metallene Wand und hohl klingt es wieder. Ich lausche, klopfe abermals, räuspere mich und sage "Herr Dutschke?" - Nichts geschieht.
Die Hündin kommt zurück und fragt, ob es denn nun weiterginge, ich hätte schließlich lange genug am Container gestanden und ganz offensichtlich sei Rudi nicht darin, außerdem sei "Dutschke" ja nur ein Nachname wie tausend andere auch, da könne ich doch wohl kaum schließen, dass, wo Dutschke draufstehe, auch Rudi drin sei, sie habe da so ihre Erfahrungen - und sowieso, Worte seien im Allgemeinen nur Schall und Rauch, abgesehen davon habe sie eine auffällige Ähnlichkeit des Containers mit dem Monolithen aus "2001: A Space Odyssey" bemerkt, die ihr Anlass zur Sorge gäbe, es wäre, bitteschön, ganz freundlich von mir, mit ihr gemeinsam Fersengeld zu geben.
Ich sehe sie an und frage einigermaßen erstaunt: "Du? Seit wann magst du denn Kubrick?"
Plötzlich steht in roter Schrift "Dutschke" auf dem Container und er sieht irgendwie auch ein wenig rebellisch aus. Ich flüstere "Ey, Rudi, altes Haus, biste da drin?", doch niemand antwortet. Vorsichtig klopfe ich an die metallene Wand und hohl klingt es wieder. Ich lausche, klopfe abermals, räuspere mich und sage "Herr Dutschke?" - Nichts geschieht.
Die Hündin kommt zurück und fragt, ob es denn nun weiterginge, ich hätte schließlich lange genug am Container gestanden und ganz offensichtlich sei Rudi nicht darin, außerdem sei "Dutschke" ja nur ein Nachname wie tausend andere auch, da könne ich doch wohl kaum schließen, dass, wo Dutschke draufstehe, auch Rudi drin sei, sie habe da so ihre Erfahrungen - und sowieso, Worte seien im Allgemeinen nur Schall und Rauch, abgesehen davon habe sie eine auffällige Ähnlichkeit des Containers mit dem Monolithen aus "2001: A Space Odyssey" bemerkt, die ihr Anlass zur Sorge gäbe, es wäre, bitteschön, ganz freundlich von mir, mit ihr gemeinsam Fersengeld zu geben.
Ich sehe sie an und frage einigermaßen erstaunt: "Du? Seit wann magst du denn Kubrick?"
Donnerstag, 24. November 2011
Donnerstag, 17. November 2011
Heavy Rotation
Die überschätzte Diagonale legt sich quer, in den Halbrunden der Hörsäle gehen die Uhren aus, verwegene Vaganten biegen Skulpturen aus nächtlichen Gleisen im Dunkel kauernder S-Bahnen. Die Stromproduktion läuft an, die Pipelines sind für uns alle gut, vor allem für die Hirten und die Schafe. Im lockigen Fell zeichnen sich Muster ab, Mandelbrotmengen vorhersagbarer Börsengänge. Einerseits muss man ganz dringend schlafen gehen, andererseits kann man nicht aufhören mit dem Nachdenken. Immerhin steht die Invasion kurz bevor, die hellen Bäuche der Alienschiffe schimmern durch die Wolkendecken über jeder größeren Stadt. Dazu wummern die repetitiven Strukturen industrieller Abläufe wie serielle Musik für ganz ganz helle Köpfchen.
Mal ehrlich: wer würde sich in dieser Welt nicht zu Hause fühlen?
Na, eben: Monsieur!
Na, eben: Monsieur!
Sonntag, 13. November 2011
Rochade
Die große Müdigkeit klopft sachte an die Tür, das Licht sieht sich aus dem Zentrum des Raumes gedrängt, nicht abgeschickte Briefe lesen sich flüsternd in fremden Sprachen selber vor.
Ein kalter Wind weht durch die Rua Coelho da Rocha als Pessoa mit zittriger Schrift auf das leere Blatt schreibt:
"I know not what tommorow will bring."
"I know not what tommorow will bring."
Dienstag, 8. November 2011
Teilchenbeschleuniger
Da will man uns Eigeninteressen als gesellschaftliche Allgemeininteressen verticken. Und Angst machen – zitternd vor Angst ist man ja immer schnell für alles zu haben, was Besserung lügt. Wie leicht wird man zum Komplizen. Und wer hat nicht alles schon den Orden wider den tierischen Ernst bekommen? Wie auch immer: Jede Rappelkiste-Sendung enthält mehr politische Theorie als ein Abend auf N24.
Werfen wir doch lachend die Holzschuhe in die Maschine, stören die Mechanismen und Automatismen. Was nicht mehr rund läuft wird bunt. Die Dysfunktionalität der Systeme macht das Individuum groß, in der Zerschlagung des Allgemeingültigen ist jede angebliche Wahrheit zu prüfen, jede Autorität zu verlachen, jede angebliche ‚Alternativlosigkeit‘ unakzeptabel.
Durchschreiten wir das strategische Feld der Machtbeziehungen, entblättern die hegemonialen Strukturen, lassen den Widerspruch zum Einspruch werden, dekonstruieren die Worte der Vielsprecher, lassen uns nichts vordenken! Wir sind der Schwarm, wir wissen mehr, wir hören und sehen alles.
Wenn wir auf einem Weg nicht durchkommen können, wählen wir einen anderen.
Sonntag, 6. November 2011
Ein Traum
Im harten Bett des Winterschlafs
liegt einsam eine Möhre
Ich schlaf heut nicht, ich bleib noch wach
Ich will sie doch nicht stören
liegt einsam eine Möhre
Ich schlaf heut nicht, ich bleib noch wach
Ich will sie doch nicht stören
Sonntag, 23. Oktober 2011
Am 28. Februar 1571
Er lässt sich Inschriften auf den Balken anbringen, lässt sie einbrennen in das Holz - die Summe der Weisheiten, die Stimmen der Alten, Sätze wie "Ich sehe, dass wir alle, die wir leben, nichts sind als Schemen oder flüchtige Schatten." oder "Ich verstehe nicht."
Er sperrt alles aus, um zu denken. Er verflucht die Welt nicht, allein: er hält nicht viel von ihr, sitzt zwischen Büchern, schaut wie das Licht langsam an der groben Steinwand entlang wandert.
Er schreibt einen Text und der Text schreibt ihn. Er ist für alle Zeit der Mensch, der in selbstgewählter Einsamkeit zu sich kommt, dessen Versuche noch heute jenes "Que sais-je?" als Frage in eine Welt halten, die keine Frage mehr zum Ende denkt.
Zeit, in den Turm zu gehen, Worte in die Balken zu brennen, die Welt auszusperren.
Freitag, 21. Oktober 2011
Montag, 17. Oktober 2011
Now I know: a year has 12 days
Eine Biene fliegt um den Kaffeebecher. Niemand weiß, was es bedeutet.
Ich stehe auf und sage: "Sie ist tot!"
Die anderen sehen mich nicht an, aber ich weiß, dass sie keine Ahnung haben, wovon ich spreche.
Ich sage: "Manchmal schreibt sie ein Wort so oft, dass eine einsame lange Schlangenlinie daraus wird. Dann darf man ihren Namen nicht sagen. Sie ist im Begriff zu vergessen, wer sie ist."
Die anderen schauen zu Boden, setzen aber dann ihre gemurmelten Unterhaltungen fort.
Es kann sein, dass diese Abende länger sind als andere. Auf sie folgen stille rußgeschwärzte Nächte.
Und die Biene?
Was flüstert die verirrte Biene in Gegenwart des Kaffeebechers?
Freitag, 14. Oktober 2011
Die Hausnummer ist 123
„Die Spiele haben Farben wie anderswo die Tiere“, sagt sie und lacht. Ich schüttele den Kopf: „Das ist mir zu politisch.“ Ich lache nicht. Wir lauschen auf den Äther: In Frankfurt zünden sie die Autos an, im Radio ist man bemüht, zu erklären, dass es alle Fabrikate betrifft – wichtig: Kraftfahrer-Solidarność erzeugen! Nächste Meldung: Occupy Wall Street und „Fuck the FED“ – ernstzunehmender Widerstand? In den USA? Da brat mir aber mal einer einen Storch! Meanwhile in Germany: Arbeitgeberpräsident Hundt hält Mindestlohn für "realitätsfern", er will die "Geringqualifizierten" durch Unterbezahlung 'in Schutz nehmen'. *hust*
In Frankreich: Schülerproteste gegen die Rentenreform! Mein lieber Scholli, was sind die Eleven weitsichtig. Und schon wieder brennen Autos. Haben denn die Leute den hübschen Meinhof-Aufsatz zur Kaufhausbrandstiftung nicht gelesen? Warenvernichtung kitzelt den Kapitalkreislauf kurz am Fuß und alle lachen.
Später: Die Funknachrichten sind passé und wir stehen im leichten Regen vor Adornos Haus in der Kettenbachstraße, Frankfurt/Main. Sie raucht eine Zigarette zu Ehren des zweitgrößen Fernsehqualmers aller Zeiten und sagt: „Die Grenzen der Welt sind die Listen der eigenen Angst. Niemand kann sich von ihr freisprechen, aber jeder kann sie überschreiten.“
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Nacht, Regen
Bei diesem Wetter drei Uhr nachts mit dem Hund rausgehen, durch den Regen stapfen und "Plainsong" von The Cure hören. Fühlt sich an, als würde es nimmer hell!
>> "I think it's dark and it looks like rain," you said, "And the wind is blowing like it's the end of the world," you said, "And it's so cold it's like the cold if you were dead," and then you smiled for a second. <<
Dienstag, 11. Oktober 2011
Kalte Herberge "Utilitaristische Ethik"
Moral und Freiheit, Umstände und Nutzen, Einschränkungen und Entschuldigungen. Infiniter Regress, Zirkelschluss, und eins fehlt noch (oder drei, je nach Modell).
Kann man bei allem fragen, woher es kommt, welchen Schaden seine Objektwerdung angerichtet hat und noch anrichtet?
Das Abstrakte eines fernen Todes macht unsere Produkte so leicht und günstig, unsere Tage so gutlaunig und bedürfnisreich, so erfüllt und bequem. - Doch Sokrates fiel das Trinken nicht schwer. Jene, die sich durch das Urteil ins Unrecht setzten, sah er als verzweifelter. Also lieber Unrecht leiden als Unrecht tun?
Freitag, 7. Oktober 2011
Der Abstieg
Verachtung für die Götter, Hass auf den Tod und die Liebe zum Leben: diese drei Dinge zeichnen Sisyphos – so Camus – aus.
Sisyphos stört die olympische Ordnung. Er verrät die geheimen Machenschaften Zeus’, legt Thanatos in Ketten, sodass auf Erden niemand mehr stirbt, und kehrt listig aus dem Reich des Todes zu seiner Frau zurück.
Doch Zeus’ Rache ist unausweichlich und so kommt der Mensch zu seinem Felsen, den er wieder und wieder den Berg hinauf zwingt.
„Sein Schicksal gehört ihm.“ Indem er den Stein als sein Schicksal annimmt, indem er am Hang mit der Inbrunst des Menschen wütet, vertreibt er die Götter aus dieser Welt.
„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen.“ – und Sisyphos führt seinen Fels, immer wieder aufs Neue. Er weiß, so Camus, „dass die Nacht kein Ende hat.“
Doch jede Form der Materie hat ein Ende und Sisyphos hat Zeit: er zerreibt den Stein am Hang. Das ist seine Lösung. Und er besiegt die Götter ein letztes Mal.
Ich glaube, wir müssen uns Sisyphos nicht nur als einen glücklichen, sondern auch als einen geduldigen und entschlossenen Menschen vorstellen.
Samstag, 1. Oktober 2011
Wiesengrund tut Wahrheit kund
»Die Evidenz des Unheils kommt dessen Apologie zugute: weil alle es wissen, soll niemand es sagen dürfen, und gedeckt vom Schweigen mag es denn unangefochten weitergehen. [...] Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.«
Adorno, Minima Moralia
Donnerstag, 29. September 2011
Systemzeit
Ich hätte in Hotels gelebt
mit schweren englischen Vorhängen
und hohen Fenstern
jede Nacht das Zimmer gewechselt
das elektrische Licht gelöscht
die Jugendstilmöbel hätten ausgesehen
wie damals in Bruxelles
vor der Flut
Und Maldoror, mein Liebster,
hätte die Wunden geöffnet,
um die Sterbenden zu kosen
Doch jetzt ist jetzt:
An einem Tag der Schatten
Bist du frei?
Im letzten Bogenstrich der Fuge
wo das Interstellare ausfranst
such ich Freiwillige für den Galgen
Die Wellen schlagen ans Nachtschiff
Hammerschläge der Armut
Es gibt kein Vermächtnis
und aus Glas ist die Hoffnung der Kinder
mit schweren englischen Vorhängen
und hohen Fenstern
jede Nacht das Zimmer gewechselt
das elektrische Licht gelöscht
die Jugendstilmöbel hätten ausgesehen
wie damals in Bruxelles
vor der Flut
Und Maldoror, mein Liebster,
hätte die Wunden geöffnet,
um die Sterbenden zu kosen
Doch jetzt ist jetzt:
An einem Tag der Schatten
Bist du frei?
Im letzten Bogenstrich der Fuge
wo das Interstellare ausfranst
such ich Freiwillige für den Galgen
Die Wellen schlagen ans Nachtschiff
Hammerschläge der Armut
Es gibt kein Vermächtnis
und aus Glas ist die Hoffnung der Kinder
Montag, 26. September 2011
Richards Schnäuzer
Nacht. Zeit, sich nach Babylon einzuschiffen. Detective Smith Smith kämpft gegen die Roboterarmee. Er träumt kämpfend und kämpft träumend - der Grund, warum er nie ein besonders vielversprechender Privatdetektiv war.
Das Licht der Straßenlaternen reißt Halbkreise aus dem Dunkel, der Typ im Leichenschauhaus kocht den scheußlichsten Kaffee aller Zeiten, die blonde Dame trinkt ihr Bier ohne Maß.
Als C. Card bin ich in den Straßen von San Francisco unterwegs, während im Redwood Creek die Zeit innehält, kurz aufatmet und sich im Rauschen der Bäume fortsetzt.
Es ist Zeit, in die Bibliothek zu gehen, in der all die Bücher stehen, die niemals gedruckt wurden. Es ist Zeit das Schlüsselwerk über 'Kakteenzucht bei Mondenschein' zu lesen, zwischen den Regalen entlang zu schlendern, den Finger über die Buchrücken streichen zu lassen, die Jahresringe der Mammutbäume ungezählt zu bestaunen.
Jimmy Pygmalion verfolgt die Dame, die er sich selbst basteln wird, bricolage heißt das Konzept, und wildes Denken - bevor die Zusammenhänge durch die idiotische Kausalität erkalten. Die Kyniker halten uns die Wahrheit vor Augen.
Am Ende aller Zeit zählt allein: Warst du rechtzeitig Forellen fischen? Oder hast du wieder nur auf dem Balkon rumgehockt und aus Maisblättern gedrehte Zigaretten geraucht?
Samstag, 24. September 2011
Montag, 19. September 2011
Als Jean-Luc Godard den Jump Cut erfand...
...also etwa 1959 oder 1960, was weiß ich wann er À bout de souffle geschnitten hat, hab ich noch nicht existiert und rechts war noch rechts und links noch links. Kapitalismus war noch kein lustiges Wort, keiner hat dazu gelacht und die fatale Wippe aus Markt und Macht und Staat war vielleicht noch etwas beweglicher. Afrika war nach der Abschüttlung diverser Kolonialmächte berechtigt, ein wenig Hoffnung zu entwickeln und JFK nahm die Welt mit seinem Zahnpastalächeln für die USA ein, solange man sich nicht zu sehr bemühte, hinter die Fassade zu schauen.
Am 19. September dachte ein gewisser Markus Hembswegger über den Zustand der Welt nach - und kam zu keinem konkreten Ergebnis. Außer vielleicht: 'es gibt stündlich weniger Dialektsprecher' und 'sieben mal sieben ist deutlich mehr als 45'.
Adorno notierte sich in sein berühmtes kleines Büchlein den weisen Satz 'Was nützt einem Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist', lauschte auf Chubby Checkers "The Twist" im Radio (was sicherlich nicht sein eigenes war, verfluchter Verblendungszusammenhang der Medien). Marcuse träumte schon davon, wie schön das Fernsehen uns alle beruhigen könnte in Zeiten gärender Revolte.
Das 1947 entwickelte AK47 wurde überarbeitet und als "Awtomat Kalaschnikowa Modernizirowannij" schon wieder ein Kassenschlager, der weltweit Frieden stiftete.
Niemand (=Odysseus) hatte den Plan, eine Mauer zu errichten, niemand sah Engel, niemand wachte.
Und heute, in der Ultramoderne, bleibt ein verhaltenes Unbehagen, dass man irgendwann den Weg hätte aufhalten können, den die westlichen Gesellschaften einschlagen - und der uns am Ende alle alle glücklich und zufrieden machen wird - wenn wir nur genug Soma bekommen...oder Prozac...oder Fluxetin...oder Lexotanil...oder oder oder...
Die Gegenwart berechtigt uns nicht zur Hoffnung, schon gar nicht zur Hoffnung auf eine Lösung, die wir nicht selber sind.
Doch alles, was ist, fordert uns auf zum Widerstand!
Die Gegenwart berechtigt uns nicht zur Hoffnung, schon gar nicht zur Hoffnung auf eine Lösung, die wir nicht selber sind.
Doch alles, was ist, fordert uns auf zum Widerstand!
Samstag, 17. September 2011
When the Sleeper Wakes...
Something is Rotten in the State of Denmark.
- Shakespeare, Hamlet -
Fiat Lux
- Genesis 1,3 - (& Léo Malet)
Incoming!!!
- Andrew Eldritch -
P.S. Hommingberger Gepardenforelle
P.S. Hommingberger Gepardenforelle
Donnerstag, 15. September 2011
Tomiloffs Plan
Sieben Jahre, so erzählt man sich, habe Tomiloff an seinem Plan zur Abschaffung des Dunkels gearbeitet. Er sei zunächst, so sagt man, missverstanden worden – man habe ihm Taschenlampen, Glühbirnen und Kerzen angeboten. Es sei ihm nicht gelungen, das Dunkel zu definieren.
In einer weiteren Phase verstand man sein Vorhaben metaphorisch. Man vermutete, er wolle sprichwörtlich „Licht ins Dunkel bringen“, nannte ihn einen verspäteten Aufklärer oder rückwärtsgewandten Propheten. Tomiloffs Gesicht, so wird berichtet, ließ in dieser Zeit keine Regung erkennen, eine gewisse Unbeirrbarkeit und Entschlossenheit hätte man jedoch nicht leugnen können.
In einer weiteren Phase verstand man sein Vorhaben metaphorisch. Man vermutete, er wolle sprichwörtlich „Licht ins Dunkel bringen“, nannte ihn einen verspäteten Aufklärer oder rückwärtsgewandten Propheten. Tomiloffs Gesicht, so wird berichtet, ließ in dieser Zeit keine Regung erkennen, eine gewisse Unbeirrbarkeit und Entschlossenheit hätte man jedoch nicht leugnen können.
Tomiloff ließ sich, soviel ist nun bekannt, nicht beirren. Im frühen Januar des vierten Jahres, so hört man sagen, habe er eine erste Apparatur entwickelt, um das Dunkel im Licht des Tages sichtbar zu machen. Gleichzeitig, so weiß man jetzt, entwickelte er eine Maschine, die das Dunkel materiell erfassbar und komprimierbar machte. Aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, dass in einer ersten Phase bis zu 4 Kubikmeter des Dunkels auf die Größe eines etwa 4x4x4 cm großen Quaders geschrumpft werden konnten.
Viele verbargen vieles im Dunkel, das Tomiloff sich anschickte zu minimieren. Es heißt, spätestens an diesem Punkt sei sein Plan auf Widerstand gestoßen.
Vor etwa einem Jahr, dies gilt nun als gesichert, gelang es Tomiloff den Rauminhalt des Dunkels einer ansehnlichen Kathedrale (als Beispiele werden Amiens oder Chartres genannt) auf ein etwa spielwürfelgroßes pechschwarzes Objekt zu komprimieren.
Heute sieht man allerorten Leute, die das Dunkel preisen, während Tomiloff an dessen Beseitigung arbeitet.
Vieles wird offenbar werden. Und nur weniges davon ist gut.
Vieles was im Dunkel noch erträglich war, wird seine hässliche Fratze im Lichte zeigen. Darum, sagt Tomiloff, ging es bei der Entwicklung der Apparatur. Um die Abschaffung des Dunkels.
Vieles wird offenbar werden. Und nur weniges davon ist gut.
Vieles was im Dunkel noch erträglich war, wird seine hässliche Fratze im Lichte zeigen. Darum, sagt Tomiloff, ging es bei der Entwicklung der Apparatur. Um die Abschaffung des Dunkels.
Mittwoch, 14. September 2011
Gegen den Strich
Nachts, wenn im Dorfe alles schläft, brennt noch das Licht im Chateau de Blog. Man sieht livrierte Diener lautlos gleiten und die Liqueurorgel befüllen, die safrangelben Balsam auf die Zunge träufelt. Über den schweren roten Teppich kriecht unterdessen eine mächtige vergoldete und mit Edelsteinen besetzte Schildkröte. Auf den Wegen im Park wird von dienstbeflissenen Lakaien Kohlepulver ausgestreut und die Brunnen werden mit schwarzer Tinte gefüllt, während der Herr im violetten Samtanzug die Hand um den Knauf des silbernen Stocks schließt und den Blick über das Anwesen schweifen lässt, in Gedanken an die Passagen bei Les Halles, die er als junger Mann durchstreifte.
Die schwarzen Kerzen flackern vom bald schon müden Wind und tief unten in den Kellern ist man damit beschäftigt, die Dunkelheit zu verwalten. Aus den Gewölben dringt Musik an die Ohren des Herrn, der kurz innehält im Gedanken an die Nichtigkeit und lächelnd flüstert:
"I tried to tell her
about Marx and Engels
God and Angels
I don't really know what for
But she looked good in ribbons..."
Sonntag, 11. September 2011
Wittgensteins Leiter
"Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)
Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig."
L.W., Tractatus
Vorschlag zum Tätscheln mentaler Prozesse
Die tektonischen Platten meines Bewusstseins
sind quasi Pizzabäcker in der Nacht
Schließlich bin ich es, der gesehen hat,
wie Gott barfüßig aus einem roten Nissan Micra stieg
Meine Ausweisnummer ergibt rückwärts gelesen
die Zahlensequenz ab der 132. Stelle von Pi
Keine Sequenz wiederholt sich in Pi
Die Chassidim können aus Pi den Namen Gottes errechnen
Aber nur ich weiß, welchen Wagen er fährt
Und das steht nicht in der Kabbala, alle Achtung, Chapeau
Die Rahmenbedingungen des Lebens sind das erste Problem
Und dann kommt die Freiheit und man meint man könnte aber kann nicht oder auch doch
Als philosophisches Experiment No. 1 schlage ich vor
Ein Kleidungsstück tragen, was einem nicht gehört
Als philosophisches Experiment No. 2 schlage ich vor
Etwas essen, dessen Namen man nicht kennt
Als philosophisches Experiment No. 3 schlage ich vor
Ein unbekanntes Tier streicheln
Als philosophisches Experiment No. 4 schlage ich vor
Einer Gewohnheit aus dem Weg gehen
Als philosophisches Experiment No. 5 schlage ich vor
Gleichzeitig trinken und pinkeln
Als philosophisches Experiment No. 6 schlage ich vor
An der Burger King-Theke einen McRib bestellen
(unbedingt insistieren)
(unbedingt insistieren)
Als philosophisches Experiment No. 7 schlage ich vor
Sich eine Sache überlegen, die man in der Welt unbedingt ändern müsste, und sofort (wenn auch nur in kleinem Rahmen) etwas dagegen unternehmen
Als philosophisches Experiment No. 8 schlage ich vor
Auf dem nächsten Tierfriedhof vor einem Grab weinen
Als philosophisches Experiment No. 9 schlage ich vor
Gläubige: 2 Minuten blasphemisch fluchen, Ungläubige: 2 Minuten ehrlich beten
Als philosophisches Experiment No. 10 schlage ich vor
Eine Mahlzeit ausfallen lassen und sich bei einem großen Glas Wasser Gedanken machen
(dazu bitte auch das iPhone weglegen, das stört!)
(dazu bitte auch das iPhone weglegen, das stört!)
Freitag, 9. September 2011
Islington, September 9th
Zwischen den Buchstaben die Hundepfoten, die trippeln
wo wir wie Eichhörnchenjunge im Hinterzimmer sitzen
und drum würfeln, wer nach draußen muss, um Holz zu holen
und die Nacht fällt
und fällt
einer legt Peter Licht auf und es geht sowas von los
wir fahren den Wagen mitternachts in den Baggersee
wir schwimmen und verschwinden
bis wir finden, was wir nicht gesucht haben
und irgendeiner sieht den weißen Wal von Ferne blasen
und alle wollen immer mehr, aber mehr ist nicht gut
jetzt heißt es Wirtschaftsliberalismus, Freihandelszone undsoweiter
bis dann einer Kaffee macht und alle sitzen ganz betreten da
und schauen in die Ferne, als wär der Horizont bedruckt
mit irgendwas nur mittelmäßig Niederschmetterndem
wie z.B.
weniger ist die Lösung
die Erlösung
bis ich dann sehe, dass er es wieder nicht lassen kann
und Cut-ups macht, die auf den Tischen die Buchstaben mischen
jetzt mal konkret
ihr habt doch verstanden, was ich meine
das ist direkt so, als würd' sich ein weißer Hase mit einem Schraubenschlüssel in einen Kreis setzen und behaupten, er hätte von nichts gewusst
ich hatte mal einen Hasen, der hieß Ahab
und so hieß er bestimmt nicht, weil er ein Holzbein hatte
ne meine Lieben
so hieß er, weil er die Harpune küsste,
die hier in meinen Händen ruht
http://www.youtube.com/watch?v=d3WRxgWUVAA
wo wir wie Eichhörnchenjunge im Hinterzimmer sitzen
und drum würfeln, wer nach draußen muss, um Holz zu holen
und die Nacht fällt
und fällt
einer legt Peter Licht auf und es geht sowas von los
wir fahren den Wagen mitternachts in den Baggersee
wir schwimmen und verschwinden
bis wir finden, was wir nicht gesucht haben
und irgendeiner sieht den weißen Wal von Ferne blasen
und alle wollen immer mehr, aber mehr ist nicht gut
jetzt heißt es Wirtschaftsliberalismus, Freihandelszone undsoweiter
bis dann einer Kaffee macht und alle sitzen ganz betreten da
und schauen in die Ferne, als wär der Horizont bedruckt
mit irgendwas nur mittelmäßig Niederschmetterndem
wie z.B.
weniger ist die Lösung
die Erlösung
bis ich dann sehe, dass er es wieder nicht lassen kann
und Cut-ups macht, die auf den Tischen die Buchstaben mischen
jetzt mal konkret
ihr habt doch verstanden, was ich meine
das ist direkt so, als würd' sich ein weißer Hase mit einem Schraubenschlüssel in einen Kreis setzen und behaupten, er hätte von nichts gewusst
ich hatte mal einen Hasen, der hieß Ahab
und so hieß er bestimmt nicht, weil er ein Holzbein hatte
ne meine Lieben
so hieß er, weil er die Harpune küsste,
die hier in meinen Händen ruht
http://www.youtube.com/watch?v=d3WRxgWUVAA
Donnerstag, 8. September 2011
The Turn of the Screw
An der Wand neben dem Fenster hängt ein weißes Plastikschild: „Das Öffnen der Fenster ist aus Gründen der Raumklimaregulierung verboten. Der Rektor“
Es ist geschickt angebracht, ich habe es noch nie entdeckt, erst jetzt, wo meine Hand sich anschickt, den messingfarbenen Griff des Fensters zu berühren, fällt mein Blick darauf.
Es ist geschickt angebracht, ich habe es noch nie entdeckt, erst jetzt, wo meine Hand sich anschickt, den messingfarbenen Griff des Fensters zu berühren, fällt mein Blick darauf.
Mittwoch, 7. September 2011
Make Love, not War !
There is no path to peace. Peace is the path. [...]
I cannot teach you violence, as I do not myself believe in it. I can only teach you not to bow your heads before any one even at the cost of your life.
Mahatma Ghandi
Dienstag, 6. September 2011
Der kommende Aufstand
"Es gibt keinen Grund mehr zu warten – auf eine Aufheiterung, die Revolution, die atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch zu warten ist Wahnsinn. Die Katastrophe ist nicht, was kommt, sondern was da ist. Wir verorten uns bereits jetzt in der Bewegung des Zusammenbruchs einer Zivilisation. Dort ist es, wo man Partei ergreifen muss.
Nicht mehr zu warten heißt, auf die eine oder andere Weise in die aufständische Logik einzutreten.
Es bedeutet, aufs Neue das leicht erschreckte Zittern in der Stimme unserer Regierenden zu hören, das sie nie verlässt. [...] [J]eder Akt des Regierens ist nichts als die Weise, die Kontrolle über die Bevölkerung nicht zu verlieren.
Wir gehen aus von einem Punkt der extremen Isolation, der extremen Ohnmacht. Alles ist aufzubauen im aufständischen Prozess.
Nichts scheint unwahrscheinlicher als ein Aufstand, aber nichts ist notwendiger."
Comité invisible / Unsichtbares Komitee:
L'insurrection qui vient / Der kommende Aufstand
2007 / 2009
Zur Erläuterung: Der kommende Aufstand ist ein politischer Essay, der in Frankreich zum Bestseller wurde. Die Analyse der politischen Situation wird selbst in der bürgerlichen Presse überraschenderweise gelobt, kritisch sind selbstverständlich die vorgeschlagenen 'Lösungen' zu sehen.
"Die Autoren sind ein namenloses Kollektiv, was nicht verhindert hat, dass das Buch glänzend geschrieben ist. Das schmale Werk, das im Original den Titel „L'insurrection qui vient“ heißt, könnte das wichtigste linke Theoriebuch unserer Zeit werden." (FAZ, 08.11.2010)
Montag, 5. September 2011
Uhrwerk Banane
"Ich habe keine Ahnung wie das Böse in die Welt kam", beteuerte der schmächtige Filialleiter mit der Kinderuhr. "Wirklich, er weiß es nicht!", flehte die sonst so diplomatische Assistentin.
"Sie haben nicht ein malenki bisschen Ahnung, meine lieben Droogs", wandte sich Alex mit tiefbetrübter Miene an die Jungs, die Hand auf den Stock gestützt, das Auge blitzend unter der schwarzen Melone.
"Sollen sie doch mal ein urs Denki Denki machen bis der Gulliver brummt", grinste Pete, auf seiner Lippe noch eine Spur Moloko Plus aus der Korova Milchbar.
"Aber", flüsterte Alex verschwörerisch, "was ist, wenn die beiden" - er lupfte kurz seine Kopfbedeckung - "maltschik sind im Gulliver? Wenn die Rasoodocks es nicht mehr tun?" Abwesend betrachtete er für einen Augenblick einen winzigen Blutfleck im Stoff seiner weißen Hose. "Sollten wir ihnen dann nicht mit dem guten alten Ludwig van den Weg weisen? Damit sie lernen, zu sluschen und nicht mehr ohne Grund so puchlig glasen." Selbstvergessen dirigierte Alex - poco sostenuto - den Beginn der 7. Sinfonie in die kühle Abendluft. Seine Droogs fassten die Stöcke fester; die Gesichter voller Vorfreude auf die Versprechungen der nahen Zukunft riefen sie "Righty right!"
Dienstag, 30. August 2011
Empire down
i hear the roar of a big machine
two worlds and in between
love lost and fire at will
dum-dum bullets and shoot to kill
i hear dive, bombers
and
empire down
empire down
(sisters of mercy: lucretia, my reflection)
two worlds and in between
love lost and fire at will
dum-dum bullets and shoot to kill
i hear dive, bombers
and
empire down
empire down
(sisters of mercy: lucretia, my reflection)
Donnerstag, 25. August 2011
erklärung vom 25. august 2011
ab dem 27. august wird das kommando mit der lauten lektüre von „die welt als wille und vorstellung“ beginnen, bis die beschuldigten den verblendungszusammenhang aus macht und missbrauch erkennen.
betätigt die gehirne
vernetzt die neuronen
enteignet die feinde des geistes
kommando arno schmidt
Montag, 22. August 2011
Das Institut
Niemals nahm das Institut Entscheidungen vorweg, die durch eine Wahl der Untergebenen nicht ebenso entschieden worden wären. Nur Spötter zweifelten an der unendlichen Weisheit und Gerechtigkeit des Instituts.
Es war und ist Arbeitsgrundsatz des Instituts, dass mit Fehlermöglichkeiten überhaupt nicht gerechnet wird. Dieser Grundsatz ist berechtigt durch die vorzügliche Organisation des Ganzen, und er ist notwendig, wenn äußerste Integrität der Handlung erreicht werden soll.
Das eigentlich Charakteristische des Instituts, so war sich K. mehr und mehr sicher, ist seine Unvergänglichkeit. Das Institut, so wusste er schließlich, ist die unverbrüchliche Wahrheit selbst.
Montag, 15. August 2011
Verlustgeschäft, Malewitsch!
Wir haben die Namen an Wände geschrieben, mit immer derselben Feuerfarbe, mit immer derselben Geste. Wir haben Worte zu Worten gemacht, aus hellen Buchstaben nichts als Dunkelheit.
Wir haben die Todeskandidaten befragt nach ihren Wegen und haben sie doch nie finden können, wir haben alles gemacht wie es auf Seiten steht und vielleicht irrten wir uns im Licht; Alles war Gegenstand, nichts als Dinglichkeit.
Und sie haben die gigantische Maschine eingeschaltet im ersten Morgenrot. Der Planet hat sich bewegt wie lebendig, hat seiner Oberfläche Richtung gegeben...und alles, alles war falsch.
Und sie haben die gigantische Maschine eingeschaltet im ersten Morgenrot. Der Planet hat sich bewegt wie lebendig, hat seiner Oberfläche Richtung gegeben...und alles, alles war falsch.
Mittwoch, 27. Juli 2011
Tja
Mittwoch, 20. Juli 2011
Methodisch angelegte Untersuchungsanordnung
Mit den gleichen Suchworten finde ich bei Google als erste drei Treffer einen Text von Spinoza, einen Text von Hegel und die Montageanleitung der „Surfbretthalterung für ein Hubdach“ (was auch immer ein Hubdach sein mag).
Gesucht habe ich etwas zum Sein des Dings, zum Wesen des Seienden und der Unterscheidung der Dinge von Nicht-Dingen. - Ist es möglich, dass die Surfbretthalterungsanleitung ein hermetischer Text ist, der Spinozas Ethik und Hegels Logik der Wissenschaft in nichts nachsteht? Und steht dies möglicherweise in Zusammenhang mit einem Ereignis, das kaum gefeiert wurde, aber dennoch für sich gesehen recht erstaunlich ist (Ergebnis Nr. 4): ein in Gefangenschaft aufgewachsener Eisbär löst Rubic’s Cube (den Zauberwürfel aus den 80ern).
Der nächste logische Treffer: „Kein Ding der Welt liegt außerhalb des Bereiches der Vorsehung.“ – und dieses Leben, da bin ich mir plötzlich ganz sicher – ist doch nur ein Experiment.
Samstag, 16. Juli 2011
Naive Vorstellung von der Veränderung der Weltordnung

Oh Du höheres Wesen, das wir verehren,
zur Veränderung der bestehenden Weltordnung schlage ich (1.) die Entfernung jedes Lebewesens von diesem Planeten vor, das regelmäßig mehr als 666$ (bzw. Währungsequivalent) verdient und/oder eine Feuerwaffe besitzt. Die restlichen Humanoiden sollten dann (2.) jeweils mit ihrem engsten Sozialverbund (Familie) auf der Oberfläche dieses Himmelskörpers wild durcheinandergewürfelt, also quasi deterritorialisiert, werden.
Nur ein kleines Experiment - wenn ich morgen futsch bin, weiß ich, dass Du mal was versuchst...
P.S. Der Geldbetrag ist durchaus ein kniffliges Problem. An dieser Stelle muss darüber entschieden werden, ob die sog. 1. Welt komplett entfernt oder rudimentär erhalten wird.
P.P.S. Ein herzlicher Gruß, geht, die Anrede hat es bereits deutlich gemacht, an den lieben Dr. Murke!
Freitag, 15. Juli 2011
Civil Disobedience

»Wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, dass es dich zwingt, einem anderen Unrecht anzutun, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach dein Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. […] Eine Minderheit ist machtlos, wenn sie sich der Mehrheit anpasst; sie ist dann noch nicht einmal eine Minderheit, unwiderstehlich aber ist sie, wenn sie ihr ganzes Gewicht einsetzt.«
H.D.Thoreau, Über die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber dem Staat, 1849
Donnerstag, 14. Juli 2011
Wertung

Was läuft eigentlich falsch, wenn die Politik vor privaten Ratingagenturen zittert? Wenn ein ccc von Fitch oder Moody's bedeutet, dass man den Laden bald dicht machen kann, sollte man nochmal über Machtverhältnisse und den Kapitalismus als solchen nachdenken.
Die Presse könnte doch vielleicht allen einen Gefallen erweisen und nichts mehr über diesen Mist schreiben. Könnte man die ganze Rating- und Berater-Mischpoke nicht generell aus dem Diskurs aussperren - statt sie durch die verstärkte Berichterstattung zu ermächtigen? Egal ob AQAS, Fitch, McKinsey - am Ende sitzen da immer Menschen, meist nicht besonders kompetent, eher Generalisten, die viel Geld mit ihren intendierten Fehleinschätzungen verdienen. Und ein System manipulieren - weil man sie lässt.
Montag, 11. Juli 2011
Platung ! ! !

Jemand schreibt in einer Klausur durchgängig Platon als "Platung" (also lautmalerisch etwa das Geräusch, was entstehen könnte, wenn man einen harten Philosophenschädel in einen ausgetrockneten Brunnen würfe).
Daran, dass Mimesis nur eine "Memmsis" (also was für Memmen) ist und ein Plagiat ein "informativer Aushang" (erst jemand anderes hat mich darauf gebracht, dass es wohl mit einem "Plakat" verwechselt wurde), hab ich mich ja fast schon gewöhnt - aber bitte reserviert mir trotzdem schon mal einen Platz im Heim. Genau in dem Raum, wo die anderen Dozenten mit Neigung zu Hospitalismus bereits rumschaukeln.
Samstag, 30. Oktober 2010
Seit 4000 Jahren die gleichen Probleme...

Leute, die Bücher ausleihen, gehen oft nicht besonders pfleglich damit um. Bibliophilen Bibliothekaren macht das seit langer Zeit zu schaffen, wie diese 4000 Jahre alte Keilschrift-Inschrift auf der Rückseite einer Schrifttafel beweist, die wohl in einer sumerischen oder babylonischen Bücherei zu leihen war:
"Wer diese Tafel bricht oder sie ins Wasser legt oder auf ihr herumschabt, bis man sie nicht mehr entziffern und verstehen kann, den mögen Assur, Sin, Shamash, Adad und Ishtar von Bit Kidmurri, die Götter des Himmels und der Erde und die Götter Assyriens mit einem Fluch strafen, der nicht mehr getilgt werden kann, schrecklich und gnadenlos, solange er lebt, und sein Name, seine Nachkommen sollen vom Land hinweggefegt und sein Fleisch den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden."
Mittwoch, 28. Juli 2010
INCEPTION - Hab ich einen anderen Film gesehen?
Überall lese ich nur Lobpreis auf Nolans neue Fingerübung namens INCEPTION. Und ich verstehe das einfach nicht.Was ich gesehen habe, war eine pseudopsychologisch aufgeblasene Luftnummer, die durch ein paar Verschachtelungen, also diverse ineinander gesetzte Binnenerzählungen, Komplexität vortäuscht, wo nur Action ist.
Die Surrealität des Traums wird kaum bebildert (außer den paar "städtebaulichen" Tricks, die allerorten als großartig angesprochen werden), die Figuren sind papierdünn (eben flat characters, kaum eine Figur, die mehr als eine Eigenschaft verkörpert) usw. Das ständige Aufzugfahren zur Darstellung des Weges ins Unterbewusste (was man besser Unbewusstes genannt hätte), die Banalität der Aufgabe, die das Team "dort unten" zu erledigen hat... Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Schön sind allenfalls die Bilder, die Träume sind fantasielos.
Bleibt mir nur, nochmal FOLLOWING oder MEMENTO anzuschauen: Ganz großes Kino!
Sonntag, 18. Juli 2010
Mutanten
Gifhorn, gegen Mitternacht: Von Untoten umringt, flüchtet unsere versprengte Gruppe durch den Wald. Später geht es darum, jemanden zu opfern, um zu entkommen. Die Wahl fällt auf mich. Zuletzt nimmt man mir meine Taschenlampe ab und überlässt mich der blutrünstigen Meute...
Zwei Stunden zuvor: Igor Mortis und Checkmate brechen zusammen und spucken Blut. Infektionen! Ob wir es mit Mutanten oder Zombies zu tun haben ist noch nicht klar. Auf der Suche nach einem Antidot schlagen wir uns durch das Unterholz, in der Ferne schreien die Infizierten...
Zwei Stunden zuvor: Igor Mortis und Checkmate brechen zusammen und spucken Blut. Infektionen! Ob wir es mit Mutanten oder Zombies zu tun haben ist noch nicht klar. Auf der Suche nach einem Antidot schlagen wir uns durch das Unterholz, in der Ferne schreien die Infizierten...
Samstag, 1. Mai 2010
"Holt sie euch zurück!"
Zeit für einen kleinen Literaturtipp. Höre gerade das 'freie' Hörbuch "Little Brother" von Cory Doctorow, veröffentlich unter Creative-Commons-Lizenz, also frei und legal zugänglich, mittlerweile auch auf Deutsch als Ebook und Audiobook. Sozusagen eine Dystopie 2.0, die vom Schwinden der Freiheit im internettigen Überwachungsstaat erzählt, von Informationssammlern, Datenkraken und der Einschränkung der Bürgerrechte in den westlichen Gesellschaften, die - und das trifft ja leider auch bereits jetzt zu - einmal Demokratien waren.Obwohl Zukunftsvision ist "Little Brother" ziemlich nah am Jetzt. Die Mechanismen waren ja schon immer die selben: Medial erzeugte Angst wird zur Begründung für staatliche Maßnahmen, die die Freiheit des Einzelnen aushebeln, und wer ein guter Bürger ist hat ja nichts zu verbergen... oder wie Google-CEO Eric Schmitt formuliert: "If you have something that you don't want anyone to know, maybe you shouldn't be doing it in the first place" - ja, diese Auffassung ist erschreckend!
Dankenswerterweise wird im Buch dann auch die Parallele gezeigt zwischen den (Überwachungs-)Maßnahmen des Staates gegen die Bürger in verschiedenen Jahrzehnten und historisch-politischen Kontexten (Hippies, 68er, Digital Natives usw.).
Kurze Zwischenfrage: Warum existieren eigentlich immer noch fast alle Überwachungsgesetze, die damals beschlossen wurden, um die RAF zu lokalisieren? Und was davon unterscheidet sich funktional eigentlich vom Patriot Act? Der Online-Durchsuchung? Dem Bundestrojaner? RF-ID Chip im Ausweis, usw. usf.
Angst vor imaginären Terroristen? Das sind medial konstruierte Bedrohungsszenarien, die nicht viel mehr als ein Begründungshintergrund sind. - Aber es funktioniert: 2007, im Erscheinungsjahr des Romans von Doctorow, hatte laut Umfrage einer Versicherungsgesellschaft fast jeder zweite Angst vor einem Terroranschlag - die am schnellsten anwachsende Angst der Deutschen. Zum Glück getoppt von der Angst vor steigenden Preisen. :-)
Wie auch immer: "Little Brother" ist ein spannend geschriebener, einigermaßen klarsichtiger Roman, der auch in Bezug auf die eingesetzte Technologie nachvollziehbar ist und zeigt, wohin die Reise geht.
Hier geht's zum Download:
http://www.loadblog.de/hoerbuecher/cory-doctorow-little-brother-als-horbuch-und-ebook-kostenlos-downloaden/
P.S. Warum haben eigentlich so wenige von uns bisher etwas von ELENA gehört? Obwohl Millionen von dieser Überwachung betroffen sein werden...
P.P.S. Man sollte einen der kommenden Ausweise auf keinen Fall für 30 Sekunden in die Mikrowelle legen, dann würde der RF-ID Chip funktionslos. Zum Glück behielte der Ausweis aber weiterhin seine Gültigkeit.
Samstag, 10. April 2010
Es war einmal...
...da ging ich nächtens durch den Park und tippte Dinge in mein Handy, allein um eine Android-Blogger-App zu testen, derweil die Hündin rastlos um mich zirkulierend harmlose Radfahrer für sonnenbebrillte faschistoide Terroristen hält, die es in ihren jeweiligen Dachsbau zu treiben gilt. Technologie ist eben immer eine Sache des Missbrauchs, sagt sie und schaut mich altklug an. Recht hat sie!
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Keinerlei Initiationszeremonien. Besser so.
Am 11.01.2010 geht's los: Das von Marvin Kleinemeier organisierte Lektüreprojekt zu Roberto Bolaños Roman Die wilden Detektive (1998) startet auf www.wilde-leser.de.Bitte reinschauen! Und am besten mitlesen und mitdiskutieren. Auf ins Abenteuer, ins Dunkle, den unbekannten Raum zwischen den Wörtern...
Bleibt mir, allen die hier lesen, eine gute Weihnachtszeit zu wünschen. Passt auf euch auf! Und macht mir keine Fisimatenten :-)
Montag, 9. November 2009
Schneeflöckchen
Wenn es doch nur mal schneien würde. Ganz leise schneien. Die Welt unpassierbar, in den Seen eingefrorene Fische. Und ich würde meine Möbel verbrennen, in einem einzigen Zimmer wohnen, jeden Morgen neue Eisblumen auf den Fensterscheiben. Endlich mal Perecs "La Disparation" lesen, auf Deutsch, weil ich natürlich zu faul bin es im Original zu genießen - und ja, ich weiß, dass mir da ungefähr eine Million ganz fantastische sprachliche Feinheiten entgehen. Aber die Hauptsache fiele mir auch in der Übersetzung auf - das fehlende "e", ein ganzes Buch ohne "e". Wie muss das den Übersetzer in den Wahnsinn getrieben haben.Vielleicht sollte ich auch ein Leipogramm schreiben, hätte ich ja Zeit dazu, wenn ich völlig eingeschneit wäre. Vielleicht sollte ich mir zum Hund dann noch ein paar andere und einen Schlitten anschaffen. Könnte ja dann während der Schlittenfahrt ewig lange Leipogramme verfassen. Oder den Hunden beibringen, Buchstaben in den Schnee zu laufen. Und abends könnten wir uns bei den warm brennenden Möbeln arktische Geschichten erzählen. Aber wie lange würde das Mobiliar vorhalten? Und der Schnee? Und die Worte?
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Viele

Semesteranfang, alles überfüllt, kein Platz nirgends, schon gar kein Sitzplatz. Mehr als 300 Leute melden sich an für mein Seminar zum Thema "Suizid und Literatur". Das ist doch deprimierend. Da will man doch nicht hingehen, schon gar nicht im Winter.
Da ich als Dozent im Online-System die Teilnehmerzahlen der anderen Seminare nicht einsehen kann, leihe ich mir - ganz konspirativ - einen Studi-Login - und siehe da, es gibt sie, die Perlen der Einsamkeit. Seminare mit 2 (in Worten: zwei) Anmeldungen, oder auch 4 oder auch 8. Warum soll denn ich, ganz Sisyphos, den Stein allein den Berg hinauf rollen, ihr Lieben? Ich hab sieben Seminare mit durchschnittlich mehr als 100 Studierenden = 700+ Studierende.
Soll denn nicht der eine die Last des anderen schultern? - oder sollte ich lieber sagen: "Sie säen nicht und ernten doch."
Da ich als Dozent im Online-System die Teilnehmerzahlen der anderen Seminare nicht einsehen kann, leihe ich mir - ganz konspirativ - einen Studi-Login - und siehe da, es gibt sie, die Perlen der Einsamkeit. Seminare mit 2 (in Worten: zwei) Anmeldungen, oder auch 4 oder auch 8. Warum soll denn ich, ganz Sisyphos, den Stein allein den Berg hinauf rollen, ihr Lieben? Ich hab sieben Seminare mit durchschnittlich mehr als 100 Studierenden = 700+ Studierende.
Soll denn nicht der eine die Last des anderen schultern? - oder sollte ich lieber sagen: "Sie säen nicht und ernten doch."
Freitag, 18. September 2009
Lustiger als Shandy...

Mal ernsthaft! Die Komödien von Plautus, sowas hat man ja noch nicht gesehen. Zum Totlachen, das. Terenz ist fast noch besser. Schade, dass von Naevius nichts mehr zu lesen ist.
Da erzählte mir doch einst jemand, er käme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, wenn er den Shandy läse, den echten, originalen Shandy - ein Buch für den Nachtisch. Aber halt: Da liegt ja schon die Minima Moralia, auch so total superlustig und zum Wohlfühlen - mit allem pipapo. Und geraucht haben die damals, du glaubst es nicht.
Die Diskussionen mit Adorno aus den Sechzigern werden echt zu selten wiederholt im Fernsehen, vor lauter Qualm kann man den T.W. gar nicht mehr sehen.
Fällt mir ein: Dieses Jahr gibt's, wie alle Jahre, wieder den wundervollen Theodor.W.Adorno-Lookalike-Wettbewerb in Berlin. Will ich jedes Jahr hin, schaffe es aber nie. Bin zu müde vom Shandy-lesen. Da kann ich nämlich gar nicht so irre drüber lachen, wie man immer sagt.
Und was mich doch immer wieder beschäftigt: Der Gebrauch der Freiheit. Das ist vielleicht das Denkproblem, was allen anderen vorgeschaltet ist. Der Gebrauch der Freiheit.
Heißt das nicht auch: Verschwenden aller Möglichkeiten, Nicht-Realisieren der Optionen.
Und was hat das mit den römischen Dramatikern zu tun? Ich weiß es nicht. Das Nicht-Festhalten der Gedanken ist vielleicht der beste Umgang mit dem Ganzen. Sie schwimmen vorbei. Catching the big fish. Und je tiefer wir ins Wasser tauchen, desto größer sind vielleicht die Fische.
Der Gebrauch der Freiheit.
Ja, was zum Teufel fängt man damit an?!
Da erzählte mir doch einst jemand, er käme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, wenn er den Shandy läse, den echten, originalen Shandy - ein Buch für den Nachtisch. Aber halt: Da liegt ja schon die Minima Moralia, auch so total superlustig und zum Wohlfühlen - mit allem pipapo. Und geraucht haben die damals, du glaubst es nicht.
Die Diskussionen mit Adorno aus den Sechzigern werden echt zu selten wiederholt im Fernsehen, vor lauter Qualm kann man den T.W. gar nicht mehr sehen.
Fällt mir ein: Dieses Jahr gibt's, wie alle Jahre, wieder den wundervollen Theodor.W.Adorno-Lookalike-Wettbewerb in Berlin. Will ich jedes Jahr hin, schaffe es aber nie. Bin zu müde vom Shandy-lesen. Da kann ich nämlich gar nicht so irre drüber lachen, wie man immer sagt.
Und was mich doch immer wieder beschäftigt: Der Gebrauch der Freiheit. Das ist vielleicht das Denkproblem, was allen anderen vorgeschaltet ist. Der Gebrauch der Freiheit.
Heißt das nicht auch: Verschwenden aller Möglichkeiten, Nicht-Realisieren der Optionen.
Und was hat das mit den römischen Dramatikern zu tun? Ich weiß es nicht. Das Nicht-Festhalten der Gedanken ist vielleicht der beste Umgang mit dem Ganzen. Sie schwimmen vorbei. Catching the big fish. Und je tiefer wir ins Wasser tauchen, desto größer sind vielleicht die Fische.
Der Gebrauch der Freiheit.
Ja, was zum Teufel fängt man damit an?!
Donnerstag, 6. August 2009
K a f f e e * B W V 2 1 1
- „Sag mal, kann ich die Musik was leiser drehen?“- „Nur zu, nur zu.“, nickte er.
Seit Tagen hörte er diese Platte, er hatte sie irgendwo auf dem Trödel erstanden, ich hatte darunter zu leiden. Nicht, dass sie schlecht gewesen wäre, nein. Aber drei Tage sind ein großer Teil des Lebens, drei Tage mit dieser gottverdammten Platte im Ohr. Zwischen den Songs konnte ich seine Stimme hören, wie sie von Afrika erzählte. „Äthiopien is’n riesiges Land.“, sagte er und nickte sich selbst bestätigend zu. „In Äthiopien kam irgendwer auf die Idee die Bohne zu rösten.“
Ich konnte es nicht mehr hören. Ich konnte seine Ausführungen zu den Brühverfahren und zur idealen Rösttemperatur (ja, ja, irgendwo im Niemandsland zwischen zweihundert und zweihundertzwanzig Grad Celsius) kaum mehr ertragen. Dabei war er nicht einmal betrunken.
Ich stand auf und drehte die Musik 'ne Nummer leiser. Puh, diese Nächte.
- „Der Orient und Mekka. Alles wichtige Stationen.“, deklamierte er am Fenster stehend, in seiner Hand die Tasse.
- „Weißt du“, sagte ich, „ein paar Marotten hast du, ehrlich.“
M u t a b o r
Die Tage zerschnitten in winzige Abschnitte, Altersvorsorge bedenken, so viel wie möglich kalkulierbar machen, sich endlich ein Uhrenarmband in der richtigen Größe kaufen, die Waschmaschine anstellen, das Weinlaub zurückschneiden, den Ölstand kontrollieren, das Leben den Produkten anpassen, beinahe nie mehr rauchen, die Mittelstreifen der ausgefahrenen Straße nachziehen, seine Habseligkeiten verstauen, zwei mal im Jahr in Urlaub fahren, Sachen vorschnell wegwerfen, die man scheinbar nicht mehr braucht. Und die Traurigkeit ist so substanzlos, so ohne ersichtlichen Grund, dass ich nichts in ihr sehen kann als eine zufällige Regung, die über mich kommt wie ein lästiger Schluckauf. Man denkt, man gewöhne sich daran mit der Zeit, man denkt, wenn es keinen Grund gibt, gibt es auch keine Traurigkeit, und eben wenn man alles durchdenkt ist sie da, setzt sich zu mir, setzt sich auf mich, setzt sich in mich.
Die Vögel ziehen ihre Ellipsen vor meinem Fenster, es beginnt zu dunkeln, die Silhouette des Dachfirstes bleibt als exakte Linie am Horizont stehen, davor die Schatten der Flügel, die Schatten der Schnäbel.
Dienstag, 16. Juni 2009
Spiegelstadium
Im Sommer hingen die Bauern Streifen aus Aluminiumpapier in die Bäume, um diebische Vögel zu vertreiben. Im ersten Jahr blieben sie fern, im zweiten beobachteten sie argwöhnisch, im dritten wagten sie sich heran, im vierten amüsierten sie sich darüber und erblickten an windstillen Tagen ihr Spiegelbild voll Erstaunen in dem Metall.
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