There is no path to peace. Peace is the path. [...]
I cannot teach you violence, as I do not myself believe in it. I can only teach you not to bow your heads before any one even at the cost of your life.
die sprache fressen





Überall lese ich nur Lobpreis auf Nolans neue Fingerübung namens INCEPTION. Und ich verstehe das einfach nicht.
Zeit für einen kleinen Literaturtipp. Höre gerade das 'freie' Hörbuch "Little Brother" von Cory Doctorow, veröffentlich unter Creative-Commons-Lizenz, also frei und legal zugänglich, mittlerweile auch auf Deutsch als Ebook und Audiobook. Sozusagen eine Dystopie 2.0, die vom Schwinden der Freiheit im internettigen Überwachungsstaat erzählt, von Informationssammlern, Datenkraken und der Einschränkung der Bürgerrechte in den westlichen Gesellschaften, die - und das trifft ja leider auch bereits jetzt zu - einmal Demokratien waren.
Am 11.01.2010 geht's los: Das von Marvin Kleinemeier organisierte Lektüreprojekt zu Roberto Bolaños Roman Die wilden Detektive (1998) startet auf www.wilde-leser.de.
Wenn es doch nur mal schneien würde. Ganz leise schneien. Die Welt unpassierbar, in den Seen eingefrorene Fische. Und ich würde meine Möbel verbrennen, in einem einzigen Zimmer wohnen, jeden Morgen neue Eisblumen auf den Fensterscheiben. Endlich mal Perecs "La Disparation" lesen, auf Deutsch, weil ich natürlich zu faul bin es im Original zu genießen - und ja, ich weiß, dass mir da ungefähr eine Million ganz fantastische sprachliche Feinheiten entgehen. Aber die Hauptsache fiele mir auch in der Übersetzung auf - das fehlende "e", ein ganzes Buch ohne "e". Wie muss das den Übersetzer in den Wahnsinn getrieben haben.

- „Sag mal, kann ich die Musik was leiser drehen?“
Die Tage zerschnitten in winzige Abschnitte, Altersvorsorge bedenken, so viel wie möglich kalkulierbar machen, sich endlich ein Uhrenarmband in der richtigen Größe kaufen, die Waschmaschine anstellen, das Weinlaub zurückschneiden, den Ölstand kontrollieren, das Leben den Produkten anpassen, beinahe nie mehr rauchen, die Mittelstreifen der ausgefahrenen Straße nachziehen, seine Habseligkeiten verstauen, zwei mal im Jahr in Urlaub fahren, Sachen vorschnell wegwerfen, die man scheinbar nicht mehr braucht.
Im Sommer hingen die Bauern Streifen aus Aluminiumpapier in die Bäume, um diebische Vögel zu vertreiben. Im ersten Jahr blieben sie fern, im zweiten beobachteten sie argwöhnisch, im dritten wagten sie sich heran, im vierten amüsierten sie sich darüber und erblickten an windstillen Tagen ihr Spiegelbild voll Erstaunen in dem Metall.
Ludwig van Beethoven hat nach der Ertaubung seine Gespräche mit dem Stift in Konversationshefte gekritzelt. Darum weiß man, dass er zuweilen ein sehr unfreundlicher Mensch sein konnte. Mich hatte das nicht gewundert. Vielmehr hatte mich gewundert, dass auf diese Weise Teildialoge entstanden sind, die in ihrer Kürze und Schärfe nie zuvor auf dem Papier festgehalten worden waren. – Die Konzentration ist eine seltene Kunst. Das versammeln aller Kräfte auf kleinstem Raum.
Der Abend fällt durchs Fenster, das Dämmerlicht umgibt den Körper, der in angenehmer Temperatur weder Hitze noch Kälte empfindet. Das alles ist eine Webarbeit, eine Arbeit mit der Materie, die ich in Berührung nicht fassen kann, die jedoch in Bewegung erfahrbar wird. Kein Geheimnis umgibt dieses unperfekte Perpetuum Mobile, sondern nur das schwindende Licht, die Abwesenheit von jeglicher Erfahrung, die Abwesenheit eines Planes.
Geht es der Romantik vielleicht allein um das Wieder-Einholen, das narrative "Fingieren" und wieder In-Besitz-Nehmen der Kindheit? Ist das ganze Mittelalter als idealisierte Vorzeit, als goldenes Zeitalter, nicht einfach Abstraktion der Kindheit, als Drachen und Ritter noch denkbar, vielleicht sogar sinnlich erfahrbar waren? Ist Novalis’ ‚Herzreligion’ nicht der – auf hohem theoretischen Niveau revitalisierte – naive Kinderglaube, der alles wieder heil macht? Und Eichendorff: Geht es ihm mit seiner idealisierten Natur, seinem 'Waldesrauschen' voller pantheistischer Allusionen, letztlich nicht vor allem darum, den wunderbaren Möglichkeitsraum der Kindheit wieder zu erwecken – und das Kind, anknüpfend an Herder und Rousseau, als den „natürlichen“ Menschen zu begreifen?
Kein Gott über uns und alle Verantwortung in unseren Händen - wir sind Menschen. Wir entscheiden, wir sind frei, wir können uns nur selbst trösten oder richten. Was geschieht, wird von uns gemacht - sinnlos, sich dem zu entziehen, sinnlos, sich zu berufen auf höhere Mächte, metaphysisches Geschwurbel usw.
Auch wenn die Zeit keine Konstante ist, so ist sie doch nicht umkehrbar, und im Zurückblicken kann man nichts verstehen, man kann nur etwas anderes verstehen.
Es gibt keinen Grund wegzulaufen, man ist immer da, immer bei sich. Es gibt eine Person, die man nicht verlassen kann, die einem durch den Regen folgt, mit den selben schnodderigen Schritten, mit dem selben hochgeschlagenen Mantelkragen, mit den selben Augen.
Auf dem hellen Teppich, an den weißen Wänden fängt sich kein Schatten, alles bleibt ruhig, und ich frage mich, ob man Jahre des Lebens ebenso aus Räumen tragen kann, wie Möbel, wie Gegenstände und Apparate. Vielleicht bleibt nur ein winziger Fleck auf der Auslegeware zurück und erzählt von einem umgekippten Weinglas, von einer Feier, bei der liebe Freunde in die Badewanne kotzten, um sich dann peinlich berührt zu verabschieden.
"Merke auf dich selbst: kehre deinen Blick von allem, was dich umgibt, ab und in dein Inneres - ist die erste Forderung, welche die Philosophie an ihren Lehrling tut. Es ist von nichts, was außer dir ist, die Rede, sondern lediglich von dir selbst." - J. G. Fichte
Die Balance meiner Tage ist manchmal ein wenig empfindlich. Darum bin ich dankbar dafür, dass der Hund ruhig schläft, im Traum seine Pfoten zappeln lässt und mir zeigt, dass die meisten Dinge ganz einfach nicht besonders wichtig sind.
In meinem Wagen brennt dauernd eine Sicherung durch. Die Beleuchtung fällt plötzlich aus. Ich bin mittlerweile geübt im Austauschen. Es dauert nur eine halbe Sekunde, selbst in Fahrt und bei völliger Dunkelheit. Es ärgert mich nicht mehr, ich habe mich darauf eingestellt und die Bewegungen meiner Hand heimlich trainiert – in etwa so wie man das Montieren einer Waffe mit verbundenen Augen trainiert.
Paderborn ist schön!
Heine: Gespräch auf der Paderborner Heide...
Hörst du nicht die fernen Töne,
Wie von Brummbaß und von Geigen?
Dorten tanzt wohl manche Schöne
Den geflügelt leichten Reigen.
«Ei, mein Freund, das nenn ich irren,
Von den Geigen hör ich keine,
Nur die Ferklein hör ich quirren,
Grunzen nur hör ich die Schweine.»
Hörst du nicht das Waldhorn blasen?
Jäger sich des Weidwerks freuen,
Fromme Lämmer seh ich grasen,
Schäfer spielen auf Schalmeien.
«Ei, mein Freund, was du vernommen,
Ist kein Waldhorn, noch Schalmeie;
Nur den Sauhirt seh ich kommen,
Heimwärts treibt er seine Säue.»
Hörst du nicht das ferne Singen,
Wie von süßen Wettgesängen?
Englein schlagen mit den Schwingen
Lauten Beifall solchen Klängen.
«Ei, was dort so hübsch geklungen,
Ist kein Wettgesang, mein Lieber!
Singend treiben Gänsejungen
Ihre Gänselein vorüber.»
Hörst du nicht die Glocken läuten,
Wunderlieblich, wunderhelle?
Fromme Kirchengänger schreiten
Andachtsvoll zur Dorfkapelle.
«Ei, mein Freund, das sind die Schellen
Von den Ochsen, von den Kühen,
Die nach ihren dunkeln Ställen
Mit gesenktem Kopfe ziehen.»
Siehst du nicht den Schleier wehen?
Siehst du nicht das leise Nicken?
Dort seh ich die Liebste stehen,
Feuchte Wehmut in den Blicken.
«Ei, mein Freund, dort seh ich nicken
Nur das Waldweib, nur die Lise;
Blaß und hager an den Krücken
Hinkt sie weiter nach der Wiese.»
Nun, mein Freund, so magst du lachen
Über des Phantasten Frage!
Wirst du auch zur Täuschung machen,
Was ich fest im Busen trage?

"Da die Menschen kein Heilmittel gegen den Tod, das Elend, die Unwissenheit finden konnten, sind sie, um sich glücklich zu machen, darauf verfallen, nicht daran zu denken. [...] Das Elend des menschlichen Lebens hat den Grund zu all dem gelegt: da sie das erkannt haben, haben sie die Zerstreuung gewählt."
- so, please, let me entertain you!
Es ist soweit: Crossdressing ist in Bayern, genauer in der CSU, angekommen - hier Günther Beckstein (im Dirndl) und seine Frau - fesch! Wirklich! Vielleicht sogar ein Ansatz für neue Geschlechter-identitäten im Hause Beckstein. Und warum auch nicht?
Ob es sich hier um eine Transgender-Tendenz der Becksteins handelt, ob bloße Kostümierung oder ob hier eine politische oder soziale Aussage getroffen werden soll? - wir werden es hoffentlich noch erfahren!
Disneyworld Europe liegt bei Paris und ich kann mir keinen besseren Grund vorstellen, in Richtung der französischen Hauptstadt aufzubrechen. Auf Fotos sieht man verängstigte Kinder, die von riesigen Enten und orangen Hunden umarmt werden, die allesamt ein Messer unterm vollgeschwitzen Polyacrylpelz tragen – oder ist das wieder nur ein Wunschgedanke?
„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ SenecaJa, genauso ist das. Die Philosophie der Lebenskunst weiß Bescheid, aber das Leben macht was anderes. Und ich wage dies nicht und wage jenes nicht. Und überhaupt: was weiß Seneca eigentlich von mir, der alte Sack! - Tja, stellt sich heraus, dass er zuviel weiß und Recht hat.
Und ich? Ich wage es nicht!
Mal unter uns Betschwestern: früher ist man mit nem Steckschuss doch noch schwimmen gegangen und hat sich nicht durch eine kleine Gewehrsalve vom Eiswagen verjagen lassen. Was ist denn da schief gegangen? Ich meine: warum bewaffne ich mich nicht und entvölkere diesen Teil der Stadt? Ist doch eh nur Nekropolis. Das würde ja überhaupt niemandem auffallen, wenn 3 Leute weniger in den Mediamarkt schleichen würden, oder?
Genuss ist die Abwesenheit von Schmerz - so paraphrasiere ich mal den alten Seneca. Schön, wenn man nichts mehr merkt! Ne, heute ist nicht mein Tag. Ja, vielleicht sollte ich nochmal PLATTFORM von Houellebecq lesen - das ist wirklich witzig! AUSWEITUNG DER KAMPFZONE ist mir heute eindeutig zu nah dran, das kann ich mir nicht geben.
Zeit für etwas PETER LICHT, aus: Räume räumen
"Der Raum ist voll, doch keiner ist da
Das hier erreicht mich
Erreicht mich nicht
So viele Sekunden hat mein Tag nicht
Die ich bräuchte, um mein 'nein' zu sagen
Meine neine.. nein, nein, nein
Meine neine.. nein, nein
Nein, nein, nein
Nein, nein
Nein
Hier muss ich nicht sein, hier möcht ich nicht mal fehlen"
sagt's und ward nicht mehr gesehen...
Hitler und Wittgenstein, beide 1889 geboren, beide Schüler der Linzer Oberrealschule (hier ein Foto der Jahrgänge 1903/04).
Da schlendere ich heute fast bewusstlos durch die Neonreklamen einer Buchhandlung und komme vor einem durchnummerierten Regal zu stehen, daran die Spiegel-Bestsellerliste:
Es hat keinen Sinn, die alte Vogel-Strauß-Taktik zu fahren - wenn man sich der schrecklichen Wahrheit nicht verschließt, ist man ganz einfach besser vorbereitet... ...und besser vorbereitet zu sein heißt dann: überleben!
Ein Objekt meiner sicherheits-verliebten Begierde bleibt allerdings weiterhin dieses Zombie-Attack-Survivalkit: scheinbar ausverkauft, ich kann's jedenfalls nirgends mehr entdecken. Weder Amazon noch Ebay haben es im Programm und selbst im Aldi sind sie alle weg. Und insgeheim weiß ich natürlich: Das ist kein gutes Zeichen! Nein! Definitiv überhaupt kein gutes Zeichen!!!
Ach, es ist schrecklich! Ich hab da gerade solche Perlen der Phantastik gefunden. Aber statt weiter zu lesen, muss ich die Textredaktion für ein Rätselbuch (in der Art von Black Stories) machen. Blöderweise werde ich dann nie wieder Black Stories spielen können: ich werde ganz einfach alle Lösungsansätze kennen. Aber irgendwoher muss ja auch Geld kommen, oder?
Das kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass es in Das Grauen eigentlich nur um die Zerstückelung eines gefesselten Mannes mit einer Axt geht: "Da ließ der Henker am linken Bein sein Beil niederfallen, welches blitzte, und der Fuß des Gefesselten sprang fort." - Das klingt doch schon ziemlich nach der Eröffnungssequenz von Ein Zombie hing am Glockenseil, oder? Sehr geschmackvoll geschildert, und das Publikum ist höflich interessiert: "Die einen behaupteten: jetzt kommt die linke Hand; und die anderen: jetzt kommt der rechte Fuß."
Mann, mann, mann, ich weiß ja nicht ob die Familie Ernst in eine Axtfabrik investiert hatte, aber wenn sich das in den anderen Geschichten weiter so häuft... ...hm, es scheint eine kleine Obsession von Paul zu sein.